Das komplexe Schmerzsyndrom der Halswirbelsäule (CCPS) (Chron. Instabiltätssyndrom)

Wiederholte Nackenverspannungen, ein Blockierungsgefühl im Bereich des Nacken und der Halswirbelsäule sowie eine meist zunehmende Schmerzsymptomatik sind die typischen Zeichen des funktionellen Instabilitätssyndroms der Halswirbelsäule.

Zusätzlich können sich Kopfschmerzen, Schwindel, ein Schwächegefühl der Halswirbelsäule (man kann den Kopf kaum mehr halten) oder verschieden vegetative Beschwerden entwickeln.

Typischerweise findet sich dieses Syndrom auch bei jüngeren Menschen, die überwiegend sitzend (am Schreibtisch oder Computer) arbeiten.
Oftmals findet sich in der Vorgeschichte auch eine Verstauchung der Halswirbelsäule, sei es durch einen Unfall oder im Rahmen eines Sturzes. Über die damit verbundene Schmerzsymptomatik entsteht eine weitere Schonung der Halswirbelsäule, die eine zusätzliche Schwäche der Muskulatur bewirkt und damit die Symptomatik auslösen kann.

Klassische Diagnostik mit Röntgen oft unauffällig

Typischerweise ist das Röntgenbild und auch eine Kernspintomographie (Schichtuntersuchung) zumeist unauffällig, d.h. es finden sich keine oder nur unwesentliche Zeichen einer Veränderung der Bandscheiben oder der Wirbelkörper. Als Nebenbefund wird häufig eine Fehlhaltung (Überstreckung) der Halswirbelsäule festgestellt, d.h. die Halswirbelsäule ist, von der Seite gesehen, zu gerade aufgerichtet. Die natürliche Krümmung, wie wir sie auch im Lendenbereich finden, ist aufgehoben.

Fehlbehandlungen führen zu weiterer Chronifizierung

Aufgrund der Verspannungen und des Blockierungsgefühls werden oftmals chirotherapeutische Behandlungen, Massagen und manuelle Therapie durchgeführt. Da die vorliegende Stabilitätsschwäche damit jedoch nicht verbessert wird, gelingt lediglich eine symptomatische Lockerung der Muskulatur mit nur einer kurzfristigen Linderung der Beschwerden. Patienten die darauf angesprochen werden berichten oft, dass die manualtherapeutischen Behandlungen, auch Chirotherapie und Massagen als sehr angenehm empfunden werden, die Schmerzsymptomatik jedoch sich damit im Laufe der Zeit immer weniger beeinflussen lässt. Da mit diesen symptomatischen Behandlungen die Ursachen der Beschwerden nicht beeinflusst werden kann es zu einer chronischen Schmerzkrankheit kommen.
Da es sich die Beschwerden durch die schmerzbedingte Schonung der Halswirbelsäule weiter verstärken, ist die frühe und gezielte Therapie sehr wichtig, in den späteren Stadien lässt sich die Behandlung immer schwieriger gestaltet.

In der unserer Praxis hat sich, einerseits zur Einschätzung, andererseits zur gezielten Therapieplanung, eine 4-gradige Stadieneinteilung* bewährt:

Grad 1
Überbeweglichkeit der Halswirbelsäule mit Verspannung der Schulter-/Nacken-muskulatur.

Grad 2
Zusätzlich Vorliegen einer Fehlhaltung (Überstreckung = Streckfehlhaltung) der Halswirbelsäule.

Grad 3
Zusätzlich im standardisierten Testverfahren nachgewiesene Maximalkraft- oder Kraftausdauerschwäche der halswirbelsäulenstabilisierenden Muskulatur

Grad 4a
Instabilitätszeichen (Listhese) in der Röntgen- oder MRT-Untersuchung

Grad 4b
Zusätzliche Zeichen einer Bandscheiben- oder Wirbelkörperveränderung

(*n.QIMOTO)

Die Ursachen des Instabilitätssyndrom der Halswirbelsäule

Die Schmerzen beruhen bei diesem Syndrom immer auf einer Überbeweglichkeit der Halswirbelsäule. Da aber bei Schmerzen im Schulter-/Nackenbereich oftmals nur nach Bewegungseinschränkungen gefahndet wird, wird genau diese oft übersehen.

Bei einer vermehrten Beweglichkeit (Überbeweglichkeit) ist es jedoch immer erforderlich, dass die umgebenden Strukturen, d.h. die Bänder und Muskeln, zusätzlich den Bewegungsumfang sichern und Fehlbelastungen vermeiden.

Da die umgebende Muskulatur, insbesondere bei sitzender Tätigkeit, oftmals zu schwach ist, diese erhöhte Aufgabe zu bewältigen, entsteht eine chronische Anspannung (Verspannung) der Muskulatur, um zumindest eine gewisse Stabilität zu sichern.
Die Muskulatur reagiert dabei im kleinen ähnlich wie ein Mensch, der sich bei Unsicherheit (z.B. vor einer Prüfung oder in einer unsicheren Situation), verspannt.

Entstehen dann zusätzlich Fehlhaltungen oder weitere Muskelschwächen, sind chronische Beschwerden, Blockierungen und weitere Symptome vorprogrammiert.

 

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