Flexions-Relaxations-Phänomen (FRP)

In mehreren wissenschaftlichen Studien zeigt sich ein Zusammenhang zwischen Schmerzen im unteren Rückenbereich (Low Back Pain) und der Aktivierung der Rückenmuskulatur. Als diagnostische Messmethode entwickelte man einen Test, bei dem der Patient den Rumpf nach vorne beugt wobei die elektrische Aktivierung der Muskulatur (EMG) der Lendenwirbelsäule analysiert wird (Geisser et al. 2005). Gesunde, schmerzfreie Probanden zeigen hierbei meist ein entspanntes Aktivitätsmuster in endgradiger Beugestellung (Colloca und Hinrich, 2005). Dieses Muster wird als das Flexions-Relaxations-Phänomen (FRP)  bezeichnet. Rückenschmerzpatienten hingegen zeigen oftmals - auch bei unauffälligem röntgenologischen Befund - kein FRP. Ziel der Behandlung und Therapie sollte eine Reduktion der Schmerzsymptomatik, aber auch - um eine weitere Chronifizierung der Beschwerden zu vermeiden - ein Auftreten dieses muskulären Relaxationsphänomens sein.

Beispiele

Patient mit unspezifischen Rückenschmerzen

Der Patient klagt über Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule. Die elektromyografische Muskelfunktionsdiagnostik zeigt bei einer Beugung des Rumpfes nach vorn (Flexion) eine reduzierte Entspannungsfähigkeit der Rückenmuskulatur (obere Grafik). Die weitere bildgebende Diagnostik (Röntgenuntersuchung) hat einen unauffälligen Befund. Nach kombinierter medizinischer und physiotherapeutischer Behandlung (Krankengymnastik am Gerät, manuelle Therapie, Akupunktur) ist der Patient nach 3 Wochen beschwerdefrei. Die Kontrollmessung der Muskelfunktion zeigt ein deutliches Flexions-Relaxations-Phänomen (untere Grafik).

 

 

Colloca C.J. and Hinrichs R.N. The biomechanical and clinical significance of the lumbar erector spinae Flexion-Relaxation Phenomenon: a review of literature. J Manipulative Physiol Ther 2005;28:623-631
Geisser M., Ranavaya M., Haig A., Roth RS., Zucker R., Ambroz C., Caruso M.. A meta-analytic review of surface electromyography among persons with low back pain and normal, healthy controls. Pain 2005; 6(11):711–26.

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