Neurophysiologische Funktionstherapie

Die neurophysiologische Funktionstherapie (Neurophysiologisches Funktionstraining) wurde in unserem Zentrum als Ergebnis der Erkenntnisse aus den gezielten Funktionsuntersuchungen im Bewegungs- und Funktionslabor entwickelt. Sie beinhaltet unsere Erfahrungen aus der klinischen Bewegungsanalyse, der medizinischen Trainingstherapie, der Krankengymnastik am Gerät und den Erkenntnissen aus dem Mental- und Biofeedbacktraining.

Wie funktioniert die neurophysiologische Funktionstherapie?

Die Behandlungen der neurophysiologischen Funktionstherapie kombinieren Elemente der modernen Trainings- und Therapieforschung mit klassischen Verfahren der Therapieelemente, die sich direkt an der Zielbewegung orientieren. Typische Anwendungen sind Behandlungen bei Schmerzen am Bewegungsapparat im Sport oder im Alltag.

Schmerzen haben eine Vorgeschichte

Viele der Beschwerden und Schmerzen die zum Arzt führen, haben sich über eine längere Zeit entwickelt, waren anfangs meist nur gering ausgeprägt, haben dann aber doch so zugenommen, dass nun eine Behandlung erfolgen soll.

Aber auch ohne die vorher aufgetretenen Schmerzen lässt sich in vielen Fällen, bei plötzlich akuten Rückenschmerzen in der klinischen Untersuchung oder in der Kernspintomographie nachweisen, dass bereits vorher Veränderungen vorhanden waren, die jedoch zu keinen spürbaren Schmerzen geführt haben.

Die medizinische Erfahrung zeigt aber auch, dass in den meisten Fällen akute Beschwerden, außer sie seien durch einen plötzlichen Unfall verursacht, eine Vorgeschichte haben und man davon ausgehen muss, dass sich die Ursachen über einen längeren Zeitraum aufgebaut haben. Typischerweise kann man dies bei einem Bandscheibenvorfall beobachten, oftmals bestanden in größerem Abstand leichte Schmerzen, gelegentlich sogar mit Hexenschuss. Die Beschwerden bildeten sich jedoch entweder von alleine oder unter Einnahme von Schmerzmitteln schnell zurück.

Bandscheibenvorfälle die man verhindern könnte

Zu einem gewissen Zeitpunkt kam es dann zu zunehmenden oder plötzlichen starken Beschwerden, z.B. im Rahmen des Hebens oder Tragens, wobei sich diese Beschwerden nicht mehr zurückbilden und schließlich eine Abnutzung oder ein Bandscheibenvorfall festgestellt wurde.

In den meisten Fällen muss dann rückblickend diagnostiziert werden, dass bereits zu Beginn der Beschwerden leichte Veränderungen der Bandscheibe für den Schmerz verantwortlich waren und wahrscheinlich ein gezieltes Therapiekonzept den Vorfall hätte verhindern können.

Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass in der überwiegenden Anzahl der Verletzungen und Beschwerden am Bewegungsapparat bereits vorher Fehlbelastungen, ungleiche Muskelansteuerungen, Fehlhaltungen oder ungünstige Bewegungsabläufe im Sport vorhanden waren.

Das Dilemma der akuten Behandlung

In der akuten Behandlung werden oftmals nur die Folgen einer längeren Fehlbelastung, die Schmerzen, die Muskelverspannung, Muskelabschwächung oder schmerzbedingte Fehlhaltung therapiert. Das ursprünglich zugrunde liegende ungünstige Bewegungsmuster kann in der akuten Phase, obwohl es ursächlich für die Beschwerden ist, oftmals nicht angegangen werden.

Das Dilemma in der weiteren Behandlung entsteht oft dadurch, dass isolierte krankengymnastische Übungen meist nur wenig Bezug zur Alltags- und sportlichen Betätigung haben, die einzelnen Übungen oft als langweilig und die Übungsausführung als mühsam erlebt werden. Nur wenigen Patienten gelingt es diszipliniert über die eigentliche Verletzung hinaus ihre Übungen weiter fortzuführen.

Neurophysiologisches Funktionstraining im Sport

Oftmals sind gerade bei Sportlern nur kleine Anteile in der Bewegungsausführung so ungünstig verändert, dass sie zu Schmerzen und Überlastungen führen. Typischerweise wird dieses Verfahren deshalb bei Beschwerden eingesetzt die über einen längeren Zeitraum der Fehlbelastung entwickelt haben.

Aus der modernen Bewegungsforschung wissen wir, dass Bewegungsmuster individuell und insgesamt sehr stabil ablaufen. Wollen wir z.B. das Laufen bewusst verändern, da sich der Fuß zu weit nach außen dreht, würde sehr wahrscheinlich eine andere Bewegung aus dem Ruder laufen und über kurz oder lang zu weiteren Beschwerden führen. Ähnlich können wir dies ausprobieren, wenn wir versuchen bewusst Ein- und Auszuatmen. Alleine schon der Atemprozess ist so komplex, dass im bewussten Atmen die einzelnen Schritte nicht so kombiniert werden können, das nur sehr geübten ein völlig entspanntes Atmen gelingt. Die Bewegungsabläufe im Sport, insbesondere bei Schnellsportarten oder im Laufen sind so komplex, dass ein bewusstes d.h. ein „sich vornehmen“ eine bestimmte Bewegung anders auszuführen, nicht zum Erfolg führen kann, sondern zumeist andere Beschwerden verursacht.

Bewegungsmuster lassen sich aber nur durch regelmäßiges Üben des neuen Musters verändern, in der Trainingsforschung spricht man von 30-50000 fachen Wiederholungen bevor im Gehirn eine Umprogrammierung stattfinden kann.

Intensiver spüren - schneller lernen

Um die Bewegungsveränderung zu ermöglichen, hat bereits vor vielen Jahrzenten das Mentaltraining Eingang in den Hochleistungssport gehalten. In Alltags- und Freizeitsport wird diese effektive Ergänzung jedoch meist wenig erst genommen.

Dabei zeigt die moderne Lernforschung, dass je intensiver wir ein Verhalten erleben, desto eher können wir Veränderungen für die Zukunft erreichen. Ganz besonders deutlich wird dies bei traumatischen Erfahrungen, hier reicht bereits oftmals ein einmaliges Erlebnis um langfristig ein Verhalten zu verändern, z.B. Unsicherheit im Gehen nach einem Sturz, Angst vor bestimmten Situationen im Verkehr nach einem Unfall, Angst vor Verletzungen eines Gelenkes (z.B. Achillessehnenriss, Kreuzbandverletzung) oder Angst vor erneuter Belastung des Rückens nach akutem Hexenschuss.

Aus den entsprechenden Forschungen wissen wir heute, dass dieser Prozess aber auch in die andere Richtung funktioniert, d.h. durch ein hohes positives Erleben, eine hohe Konzentration und zusätzliche Unterstützung durch die intensiver Wahrnehmung der neuen Bewegungsform, auch in verschiedenen körperlichen Wahrnehmungsebenen, kann die Intensität und der Erfolg des Trainings um eine vielfaches gesteigert werden, so dass oftmals bereits mit einigen Sitzungen eine beginnende Veränderung des Bewegungsmusters eingeleitet werden kann.

Erforderliche Voraussetzungen

Die Behandlung basiert auf einer individuellen Funktionsanalyse im Rahmen einer neurophysiologischen-biomechanischen Diagnostik, z.B. einer klinischen Gang- und Laufdiagnostik oder einer spezifischen bzw. Sportart mit speziellen Funktionsuntersuchung (Volleyball-, Tennis-, Golf-Analyse). Mit den Ergebnissen ist eine sehr spezielle Zuordnung der Beschwerden zu einzelnen Anteilen des Bewegungsmusters möglich.

Die Berücksichtigung dieser Untersuchungsergebnisse ermöglicht bereits in der normalen “Krankengymnastik und Trainingstherapie“ eine wesentlich gezieltere Behandlung und damit eine schnellere und effektivere Therapie der Beschwerden. Im Rahmen der Trainings- und Leistungsoptimierung ist eine gezielte Verbesserung muskulärer Dysbalancen oder ungünstigen Bewegungsmuster möglich.

Synergie und Boostereffekt

In der Behandlung werden die speziellen Erkenntnisse aus den Untersuchungen dann auf mehreren Ebenen mit den neueren Erkenntnissen der Trainings- und Bewegungsforschung verknüpft. Durch die Elemente eines visuellen Biofeedbacks (Spiegeltherapie) entsprechenden Behandlungsimpulsen durch den Therapeuten und in Kombination mit modernsten Übungen der medizinischen Trainings- und Kräftigungstherapie gelingt ein Boostereffekt, der bereits nach wenigen Behandlungen eine beginnende Veränderung des Bewegungsmusters ermöglicht.

Nicht mehr des Gleichen, sondern die geschickte Kombination verschiedener Verfahren und Erkenntnisse der modernsten Lernforschung ermöglichen in der neurophysiologischen Funktionstherapie eine schnellere Veränderung von den ansonsten nur sehr schwierig zu behandelnden Fehlbelastungen in der Bewegung oder Asymmetrien im Bewegungsablauf.

Vorteile der neurophysiologischen Funktionstherapie

Da sich die neurophysiologische Funktionstherapie eng an den Alltagsbelastungen orientiert und über Elemente des Biofeedback, des Mentaltrainings und der modernen Verhaltungs- und Bewegungsforschung eine direkte Verbindung zwischen Beschwerden und therapeutischen Vorgehen ermöglicht, ist oft bereits die erste Behandlung mit einem wesentlichen Lernerfolg verbunden.

Beschwerden bei denen die neurophysiologische Funktionstherapie helfen kann:

  • Schulterschmerzen (insbesondere Sehnenreizung des M. supraspinatus)
  • Überlastungsbeschwerden im Sport wie: Patellaspitzensyndrom, Läuferknie
  • Achillessehnenreizung
  • Schmerzen am seitlichen Oberschenkel
    (sogenannte Schleimbeutelreizung)
  • Tennis- und Golferellenbogen u.a.
  • Chronische Muskelverspannungen im Schulter-/Nackenbereich insbesondere bei PC-Arbeit oder hohen Stressbelastungen
  • Haltungsschwächen insbesondere bei Kindern in Kombination mit Verhaltenstherapie auch bei Aufmerksamkeits- und Motorikstörungen (ADHS u.a.)
  • Unterstützend zur Verbesserung der sportartspezifischen Leistungsfähigkeit (Performanceoptimierung)


Aus rechtlichen Gründen erforderlicher Hinweis zur Wirksamkeit dieser Behandlungsmethode:
Die auf diesen Seiten dargestellten Behandlungsmethoden werden in der Wissenschaft in ihrer Bedeutung und Tragweite nicht einheitlich beurteilt. Auch liegen diesbezüglich noch keine randomisierte placebokontrollierte Doppel-/Blindstudien vor, wie es die höchstrichterliche Rechtsprechung bei gesundheitlichen Wirkaussagen fordert, und wie sie bei bestimmten Medikamenten vorhanden sind.

Die entsprechenden Möglichkeiten die Behandlungen in diesen "Doppel-Blind-Studien" zu überprüfen werden jedoch kontrovers diskutiert. Ärztliches Wissen und juristische Betrachtungsweise stimmen ebenso wie medizinische Erfahrung und Wissenschaft nicht immer überein.

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