EMDR bei Knieschmerzen
– das Schmerzgedächtnis vor und nach einer Knieoperation berücksichtigen

Unser Konzept bei Knieschmerzen ist bioregenerativ: Mit Krankengymnastik, gezieltem Training und der Unterstützung durch körpereigene Zellen fördern wir die körpereigene Regeneration Ihres Kniegelenks. Auch das EMDR-Verfahren berücksichtigt nach Francine Shapiro, seiner Begründerin, die körpereigenen Heilungskräfte, in diesem Fall bei der Verarbeitung belastender Erfahrungen.

Bestehen Knieschmerzen über längere Zeit, ist nicht nur das Kniegelenk beteiligt. Auch das Schmerzsystem im Nervensystem kann empfindlicher geworden sein und das Beschwerdebild mitbestimmen. Bei QIMOTO in Wiesbaden beziehen wir diesen Anteil in die Behandlung ein. Bei geeigneter Indikation ergänzen wir sie um EMDR: bei chronischen Knieschmerzen, zur Vorbereitung auf eine Operation und bei anhaltenden Beschwerden danach.

Chronische Knieschmerzen: Kniegelenk und Schmerzsystem gehören zusammen

Chronische Schmerzen haben selten nur eine Ursache. Bei Kniearthrose tragen die Veränderungen im Kniegelenk, die Kraft der Beinmuskulatur, Bewegungsmuster und die Verarbeitung der Schmerzreize im Nervensystem gemeinsam zum Beschwerdebild bei.
Wichtig ist uns: Kein Schmerz ist „nur“ Schmerzgedächtnis. Bei allen chronischen Schmerzen kann aber ein Teil davon beteiligt sein und zu einer Sensibilisierung beitragen. Dieser Anteil kann den Erfolg einer konservativen Therapie beeinflussen, ebenso den Erfolg einer Operation. Deshalb betrachten wir ihn von Beginn an mit, neben dem Kniegelenk und nicht anstelle davon.

Das Schmerzgedächtnis bei Knieschmerzen

Wiederholte Schmerzreize aus Ihrem Kniegelenk können das Nervensystem empfindlicher machen. Es reagiert dann schneller und stärker auf Reize, die zuvor weniger Beschwerden gemacht hätten. Gleichzeitig verbinden sich Bewegung, Schmerzerwartung und Anspannung zunehmend miteinander. Viele Betroffene schonen das Knie, verlieren Vertrauen in seine Belastbarkeit und bewegen sich weniger. Dadurch können Muskelkraft und Bewegungssicherheit weiter abnehmen.
Der Begriff „Schmerzgedächtnis“ beschreibt solche Lern- und Anpassungsprozesse. Er bedeutet weder, dass Schmerzen eingebildet sind, noch dass ihre Ursache ausschließlich psychisch ist. Veränderungen im Kniegelenk und eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit können gleichzeitig bestehen und sich gegenseitig beeinflussen.

Knieschmerzen verstehen und nachhaltig verbessern

Schmerz entsteht im Gehirn und ist immer real. Er ist ein Warnsignal, dessen Empfindlichkeit sich bei anhaltenden Beschwerden verstellen kann. Wer versteht, wie das Schmerzsystem arbeitet, kann Schmerzen im Knie oft besser einordnen und sicherer mit Belastung umgehen.
Deshalb berücksichtigen wir mögliche Veränderungen des Schmerzgedächtnisses von Anfang an. Das schafft die Grundlage dafür, dass Krankengymnastik, Training und Belastungsaufbau ihre Wirkung entfalten können. Außerdem hilft es zu entscheiden, ob eine ergänzende EMDR-Behandlung sinnvoll ist.

Was ist EMDR-Schmerztherapie?

EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing. Das Verfahren ist vor allem aus der Traumatherapie bekannt und wird auch zur Behandlung chronischer Schmerzen untersucht.
Bei der schmerzbezogenen Anwendung werden Schmerzerfahrungen, Befürchtungen und körperliche Reaktionen gezielt aufgegriffen. Während der Verarbeitung kommen unter anderem angeleitete Augenbewegungen zum Einsatz. Wie EMDR im Einzelnen wirkt, ist noch nicht abschließend geklärt.
Shapiro beschrieb eine natürliche Fähigkeit des Menschen, belastende Erfahrungen zu verarbeiten. Nach ihrem Modell soll EMDR diese Verarbeitung unterstützen, wenn sie ins Stocken geraten ist. So passt das Verfahren zu unserem Ansatz, die körpereigenen Kräfte zu nutzen: im Kniegelenk durch Regeneration und Training, im Schmerzsystem durch die Verarbeitung belastender Erfahrungen.

Wo EMDR bei Knieschmerzen ansetzt

  • 1. Veränderungen im Schmerznervensystem und Schmerzgedächtnis. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob sich das Schmerzsystem durch lang anhaltende Schmerzen aus dem Kniegelenk verändert hat. Ziel ist, die erhöhte Empfindlichkeit und die gelernten Verknüpfungen von Bewegung, Schmerz und Anspannung therapeutisch zu beeinflussen. So lässt sich die Grundlage für Training und Bewegung verbessern.
  • 2. Belastende Schmerzerfahrungen verarbeiten. Wiederkehrende Schmerzen können mit Hilflosigkeit, Anspannung und der Erwartung weiterer Beschwerden verbunden sein. Auch frühere Verletzungen, schmerzhafte Eingriffe oder schwierige Heilungsverläufe am Knie können ein Thema sein. Diese Verknüpfungen lassen sich therapeutisch aufgreifen.
  • 3. Bewegungsängste bearbeiten. Wer Schmerzen erwartet, bewegt sich häufig vorsichtiger oder vermeidet Belastung. Ziel ist, die damit verbundenen Befürchtungen zu bearbeiten und einen sichereren Umgang mit medizinisch sinnvoller Bewegung zu unterstützen.

EMDR vor einer Knieoperation: Sicherheit und Zuversicht entwickeln

Eine ausgeprägte Sensibilisierung vor der Operation steht in wissenschaftlichen Untersuchungen im Zusammenhang mit stärkeren und länger anhaltenden Schmerzen danach. Deshalb ist es sinnvoll, die Schmerzverarbeitung schon vor dem Eingriff zu betrachten.
Eine bevorstehende Operation kann außerdem mit Hoffnung verbunden sein, aber auch mit erheblichen Sorgen. Frühere Schmerzerfahrungen oder schwierige Behandlungen können das Vertrauen in den Eingriff und die anschließende Rehabilitation beeinträchtigen. Im Rahmen einer EMDR-Behandlung können solche Erfahrungen und konkrete Befürchtungen bearbeitet werden. Auch die Vorstellung der Operation, der ersten Schritte danach und des weiteren Belastungsaufbaus lässt sich einbeziehen.
Dabei geht es um realistische Zuversicht und Vertrauen in die eigene Bewältigungsfähigkeit. Sorgen sollen ihren Platz haben und besprochen werden können. Ein besseres Operationsergebnis durch EMDR ist bislang nicht nachgewiesen.

EMDR nach einer Knieoperation: wenn Beschwerden fortbestehen

Ein Kniegelenkersatz verändert die Situation im Knie. Eine zuvor erhöhte Empfindlichkeit der Schmerzverarbeitung bildet sich dadurch jedoch nicht zwangsläufig sofort zurück.
Bei fortbestehenden Beschwerden müssen zunächst mögliche körperliche Ursachen ärztlich abgeklärt werden. Ergänzend kann EMDR infrage kommen, wenn eine anhaltende Sensibilisierung, belastende Operationserfahrungen, Bewegungsängste oder Anspannung die Rehabilitation erschweren.

Ausbildung und Erfahrung

Dr. med. Marco Gassen hat seine Ausbildung zur Schmerztherapie mit EMDR bei dem EMDR-Schmerzexperten Prof. Dr. Jonas Tesarz absolviert. Tesarz ist Mitautor des Fachbuchs „Schmerzen behandeln mit EMDR“, in dem er gemeinsam mit Günter H. Seidler und Wolfgang Eich die Grundlagen und das praktische Vorgehen der EMDR-basierten Behandlung chronischer Schmerzen beschreibt. Diese Ausbildung ergänzt unsere ärztliche und psychotherapeutische Sicht auf chronische Beschwerden.

Was ist wissenschaftlich belegt?

Klinische Studien liefern erste Hinweise auf einen möglichen Nutzen von EMDR bei ausgewählten Menschen mit chronischen Schmerzen. Eine randomisierte Pilotstudie untersuchte zum Beispiel Patienten mit chronischen Rückenschmerzen und vorausgegangenen psychischen Traumaerfahrungen.

Beratung zur EMDR-Schmerztherapie in Wiesbaden

Ob eine ergänzende EMDR-Schmerztherapie zu Ihrer Situation passt, klären wir im persönlichen Gespräch. Dabei berücksichtigen wir Ihre bisherigen Befunde, den Behandlungsverlauf und Ihre Ziele für Alltag und Bewegung.

Wissenschaftliche Quellen und Fachliteratur

  • Gerhardt A et al. (2016). Eye Movement Desensitization and Reprocessing vs. Treatment-as-Usual for Non-Specific Chronic Back Pain Patients with Psychological Trauma: A Randomized Controlled Pilot Study. Frontiers in Psychiatry, 7:201.
    Originalstudie

  • Kim MS et al. (2022). Diagnosis of Central Sensitization and Its Effects on Postoperative Outcomes following Total Knee Arthroplasty: A Systematic Review and Meta-Analysis. Diagnostics, 12(5):1248.
    Wissenschaftliche Übersicht

  • Tesarz J, Seidler GH, Eich W (2025). Schmerzen behandeln mit EMDR. Das erweiterte Praxishandbuch. 6., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Klett-Cotta. ISBN: 978-3-608-98784-3.

  • EMDR Institute: The theoretical basis for EMDR therapy – Adaptive Information Processing Model nach Francine Shapiro.