Dei deutsche Zweitmeinungsstudie bestätigt nur in 40% die Notwendigkeit einer Knieprothese

Eine Empfehlung zum künstlichen Kniegelenk bedeutet nicht immer, dass die Operation bereits notwendig ist. Eine Studie am Universitätsklinikum der LMU München zeigt, wie unterschiedlich die Einschätzung des richtigen Zeitpunkts ausfallen kann.

Was wurde untersucht?

An der 2021 veröffentlichten Studie nahmen 141 Menschen mit Kniearthrose teil, denen bereits ein künstliches Kniegelenk empfohlen worden war. Im Rahmen eines Zweitmeinungsprogramms wurden sie persönlich von einem erfahrenen Knieoperateur eines zertifizierten Endoprothetikzentrums untersucht. Dieser prüfte erneut, ob und wann ein Gelenkersatz sinnvoll erschien.

  • Bei rund 60 Prozent aktuell keine OP empfohlen

Die zweite ärztliche Einschätzung ergab:

  • 40 Prozent: Eine Knieprothese wurde zum aktuellen Zeitpunkt empfohlen.
  • 40 Prozent: Ein Gelenkersatz kam erst bei einer Verschlechterung der Beschwerden infrage.
  • 20 Prozent: Eine Knieprothese wurde nicht empfohlen.

Damit sah der Zweitgutachter bei rund sechs von zehn Teilnehmern aktuell keine Notwendigkeit für einen Gelenkersatz. Bei einem großen Teil blieb die Operation jedoch eine mögliche spätere Behandlungsoption.

Entscheidend sind Gelenkschaden und Lebensqualität

Die Empfehlung des Zweitgutachters hing insbesondere mit dem im Röntgenbild erkennbaren Arthrosegrad und der kniebezogenen Lebensqualität zusammen. Das unterstreicht: Für die Entscheidung zählt sowohl der Zustand des Gelenks als auch die Frage, wie stark die Erkrankung das Leben tatsächlich beeinträchtigt.

Nach der Beratung fühlten sich die Teilnehmer zudem sicherer in ihrer Entscheidung – unabhängig davon, ob diese für oder gegen eine Operation ausfiel.

Was bedeutet das für Sie?

Die Studie zeigt, dass eine sorgfältige zweite Beurteilung die Empfehlung und den Zeitpunkt einer Knieprothese wesentlich verändern kann. Sie belegt allerdings nicht, dass 60 Prozent aller Knieprothesen in Deutschland unnötig sind: Untersucht wurde eine ausgewählte Gruppe von Menschen, die ein Zweitmeinungsangebot nutzten. Auch war die ursprüngliche OP-Empfehlung nicht bei allen gleich dringlich.

Vor einem Gelenkersatz lohnt sich deshalb eine gründliche Prüfung: Wie ausgeprägt sind die Beschwerden? Welche konservativen Behandlungen wurden bereits ausreichend durchgeführt? Und spricht die individuelle Situation für eine Operation jetzt – oder zunächst für eine weitere Behandlung ohne Gelenkersatz?

Originalquelle

Weigl M, Pietzner J, Kisch R, Paulus A, Jansson V, Grill E. Effects of a medical second opinion programme on patients’ decision for or against knee arthroplasty and their satisfaction with the programme. BMC Musculoskeletal Disorders. 2021;22:595.

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